Urteil und Vorurteil – Was ist der Unterschied?

Der Hauptunterschied zwischen Urteil und Vorurteil

ist:

“Urteil”: rechtssprache richterliche Entscheidung eines Gerichtes zur abschließenden Klärung eines Rechtsstreites
“Vorurteil”: urteil über jemanden oder etwas, das nicht auf Erfahrungen oder Wissen über das Beurteilte beruht. Mithin ein Vorausurteil, das heißt ein Urteil vor oder ohne Kenntnis des einzelnen Beurteilten

Urteil

Vorurteil

Substantiv

  • Rechtssprache richterliche Entscheidung eines Gerichtes zur abschließenden Klärung eines Rechtsstreites
  • Eindruck einer Person gegenüber anderen

Synonyme

  • Beschluss, Richterspruch
  • Einschätzung, Meinung, Standpunkt

Unterbegriffe

  • Anerkenntnissurteil, BGH-Urteil, Bundesverfassungsgerichtsurteil, EuGH-Urteil, Fehlurteil, Feststellungsurteil, Feuerurteil, Gefängnisurteil, Gerichtsurteil, Gottesurteil, Grundsatzurteil, Kopftuchurteil, Landgerichtsurteil, Mordurteil, Nichtigkeitsurteil, Präzedenzurteil, Räumungsurteil, Revisionsurteil, Scheidungsurteil, Schiedsrichterurteil, Schiedsurteil, Schwurgerichtsurteil, Sportgerichtsurteil, Terrorurteil, Todesurteil, Verfassungsurteil, Verwaltungsgerichtsurteil
  • Ordal
  • Endurteil, Erfahrungsurteil, Fachurteil, Globalurteil, Kennerurteil, Kollektivurteil, Pauschalurteil, Schandurteil, Schlussurteil, Teilurteil, Versäumnisurteil, Verzichtsurteil, Vorbehaltsurteil, Werturteil, Zwischenurteil
  • Vorurteil

Charakteristische Wortkombinationen

  • mit Verb: ein Urteil vollstrecken
  • mit Adjektiv: ein mildes Urteil , ein gerichtliches Urteil , ein letztinstanzliches Urteil , rechtskräftiges Urteil
  • mit Adjektiv: ein endgültiges Urteil , ein hartes Urteil , ein scharfes Urteil , ein vorgefasstes Urteil
  • mit Verb: jemandes Urteil beeinflussen
  • mit Adjektiv: ein vernichtendes Urteil, ein zutreffendes Urteil

Wortbildungen

  • :urteilen, urteilsfähig, urteilslos
  • Urteilsbegründung, Urteilsbestätigung, Urteilsfindung, Urteilsverkündung
  • Urteilskraft, Urteilsschelte, Urteilsspruch, Urteilsvermögen, Urteilsvollstreckung, Urteilsvollzug

Beispiel

  • Die Richter verkünden das Urteil um 10 Uhr.
  • Oft werden politische Entscheidungen durch Urteile der Gerichte korrigiert.
  • „Vorurteile werden manchmal als Urteile und Wertungen definiert, die nicht auf eigener Erfahrung beruhen.“

Substantiv

  • Urteil über jemanden oder etwas, das nicht auf Erfahrungen oder Wissen über das Beurteilte beruht. Mithin ein Vorausurteil, das heißt ein Urteil vor oder ohne Kenntnis des einzelnen Beurteilten.

Synonyme

  • Präjudiz, Voreingenommenheit

Oberbegriffe

  • Urteil

Wortbildungen

  • :vorurteilsfrei, vorurteilslos

Beispiel

  • Es ist ein Vorurteil, dass alle Schotten geizig seien.
  • „Vorurteile werden manchmal als Urteile und Wertungen definiert, die nicht auf eigener Erfahrung beruhen.“
  • „An dieser Stelle muss Einspruch gegen ein beliebtes polnisches Vorurteil erhoben werden, nämlich dass Polen frech über rote Ampeln marschieren, während deutsche Fußgänger brav stehen bleiben.“
  • „Bekanntlich steckt ja in jedem Vorurteil ein Körnchen Wahrheit.“
  • „Dazwischen stößt man auf eine vortreffliche Auswahl an Klischees, Vorurteilen und frivolen Halluzinationen, wie sie nur der menschliche Geist zu ersinnen imstande ist, alles sorgfältig illustriert und kommentiert.“
  • „Die Sprachwissenschaft sieht sich dem Vorurteil gegenüber, ihre Aussagen zum öffentlich gefühlten Sprachverfall seien nichts als Beschwichtigungen, die dazu dienten, im Sinne von politischer Überkorrektheit abweichendes Deutsch zur guten Sprache schönzureden.“